Wie lassen sich die Auswirkungen des Online-Streamings begrenzen?

Die Auswirkungen digitaler Technologien auf unser Klima geraten in unserem Alltag leicht aus dem Blick, so sehr haben wir die Vorstellung verinnerlicht, dass das Internet etwas Immaterielles sei.

Als ob alles irgendwo in den Wolken gespeichert würde. Doch die Nutzung des Internets und die Herstellung der Endgeräte, mit denen wir uns damit verbinden, verbraucht sehr wohl Energie und emittiert CO2.

Das Online-Streaming von Videos, das 60 % des weltweiten Datenverkehrs ausmacht, hat eine jährliche CO2-Bilanz, die den Gesamtemissionen Spaniens entspricht. Im Jahr 2018 waren das 306 Millionen Tonnen, das ist nahezu 1 % der weltweiten Treibhausgasemissionen. Es ist an der Zeit, etwas zu unternehmen. Angefangen bei unserer Beziehung zu Bildschirmen. 

Binge Watching: der schlimmste Feind des Klimas?

Na so was! Wer hätte denn gedacht, dass ein kleiner, netter Netflix-Abend, ein auf Facebook geteiltes Video oder ein schneller Scroll durch den Video-Feed von Instagram oder YouTube eine solche Wirkung haben könnte? Nur damit du eine Vorstellung bekommst: Video-on-Demand-Dienste (also Netflix, Amazon Prime und dergleichen) erzeugen nach einer Studie von Shift Project ebenso viel CO2 wie Chile.

Und warum ist das so? Zunächst einmal muss man die Endgeräte herstellen, die es uns ermöglichen, ins Internet zu gehen, das heißt unsere Computer, Tablets und Smartphones. Dann müssen die Inhalte in Datenzentren gespeichert und im Netz verteilt werden. All das verbraucht Energie, die wiederum (einer Studie von BP zufolge) zu 85 % von fossilen Energieträgern stammt. Die Ergebnisse sind geradezu absurd: Die Speicherung von nur 10 Stunden Film frisst so viel Energie wie alle englischsprachigen Artikel von Wikipedia zusammen.

Und da Online-Videos 80 % der Internetbandbreite beanspruchen und das Streamingaufkommen ständig zunimmt, wird man auch noch ein Mittel finden müssen, um andere Nutzungen des Internets nicht zu beeinträchtigen. Dazu genügt es, die Speicherkapazität zu erhöhen, indem wir einfach neue Infrastrukturen errichten und unsere Ausrüstung erneuern, um sie kompatibel zu machen. Da haben unsere alten Smartphones eben Pech gehabt. Die Mengen an Elektronikschrott können ein Lied davon singen.

Oder aber wir überprüfen unsere Internetnutzung noch einmal, angefangen bei der Art, wie wir Videos sehen.

Green Watching: Wo können wir den Hebel ansetzen, um unseren Fußabdruck im Netz zu reduzieren?

1. Die Lebensdauer unserer elektronischen Geräte erhöhen

Bevor wir noch die Art und Weise ändern, wie wir unsere Videos im Internet sehen, sollten wir daran denken, dass wir die Umwelt umso weniger verschmutzen, je länger wir unsere Smartphones, Tablets und Fernseher nutzen. Erster Schritt daher: die Lebensdauer unserer Ausrüstung erhöhen, unsere alten Geräte verkaufen und wiederaufbereitete kaufen.

Warum?

  • Die Herstellung eines Smartphones emittiert zwischen 50 und 100 kg Treibhausgase (THG).
  • Ein Smartphone enthält seltene Erden, die, wie der Name schon sagt, endlich sind. Und ihre Gewinnung setzt Giftstoffe in die Umwelt frei.

Wenn dein Gerät trotz aller Bemühungen den Geist aufgegeben hat:

2. Internetbox ausstecken und Geräte vom Stromnetz trennen, wenn du sie nicht verwendest

Dann geht es darum, den Kopf nicht ständig in den Clouds zu haben, wenn man sie nicht mehr braucht. Denke daran, deine Box und den Fernseher auszustecken und deine Internetgeräte vom Stromnetz zu trennen, wenn du den Film zu Ende gesehen hast.

Warum?

  • Eine permanent angeschlossene Box verbraucht natürlich mehr Strom als eine Box, die nur von Zeit zu Zeit eingeschaltet wird (so weit, so gut).
  • Der größte Teil des ökologischen Fußabdrucks des Netzes stammt aus der „letzten Meile“: Funkantennen beim mobilen Netzwerk, Internetbox beim WLAN.

3. WLAN-Verbindung ist besser als 3/4/5G

Der Energieverbrauch des Chips deines Smartphones hängt von der Art des mobilen Netzwerks ab, das du verwendest (2G, 3G oder 4G) und von dem Ort, an dem du dich befindest. Schalte dein Handy in den Flugzeugmodus, wenn die Verbindung schlecht ist, und schaue das Video in einem Bereich mit besserer Netzabdeckung weiter

Ansonsten verbraucht 2G weniger Daten als 3G, das selbst wiederum weniger verbraucht als 4G. Du kannst das je nach Bedarf anpassen. Dein bevorzugter Netzwerktyp lässt sich in den Einstellungen deines Smartphones ändern (bei Android unter „Einstellungen → Mobile Netzwerke“).

Wenn du dich in einem Bereich mit WLAN aufhältst, schalte deine mobilen Daten aus.

Warum?

  • Eine 4G-Internetverbindung verbraucht 20-mal so viel Energie wie eine Box, da sie die Funkantennen viel stärker beansprucht.
  • Man muss also mehr solcher Antennen produzieren, um eine Bandbreite zu erzielen, die die wachsenden Bedürfnisse aller abdeckt.

4. Verwende im Alltag lieber dein Smartphone als einen galaktischen 4K-Full-HD-Doppel-3D-Fernseher

Je höher die Auflösung des Videos, desto mehr Energie wird beim Ansehen verbraucht. Schaue deine Videos also möglichst in einer niedrigeren Auflösung auf einem kleineren Bildschirm.

5. Schränke deinen Videokonsum und das Teilen von Videos über die sozialen Netzwerke ein

Eigentlich ist die effektivste Lösung nicht so schwer zu erraten. Weniger online gestreamte Videos = weniger Umweltverschmutzung. In einer Welt, die unter Klimastress steht, ist es vielleicht an der Zeit, bei den Inhalten, die man sieht und die man teilt, wählerischer zu sein. Das ist auch eine Gelegenheit, die Kontrolle über unsere Zeit wieder zurückzugewinnen. 

Denke bei den Serien oder Filmen, die du sehen willst, auch darüber nach, ob du dir nicht lieber die DVD kaufen möchtest. Die Herstellung einer DVD verbraucht so viel CO2 wie ein einmaliges Ansehen des Films

Das war’s. Wenn du einige dieser einfachen Maßnahmen befolgst, leistest du einen signifikanten Beitrag gegen den Klimawandel. Natürlich ist das nicht die alleinige Lösung, auch die Online-Videoplattformen haben ihrerseits einiges zu optimieren. Das aber ist ein anderes Thema für ein anderes Mal.

Previous Post Next Post

No Comments

Leave a Reply

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.